Fastenzeit

Seit Aschermittwoch ist Fastenzeit. Fasten ist in. Fasten ist angesagt, obwohl nur noch für eine kleine Minderheit der religiöse Hintergrund bedeutsam ist. In den Medien hört und liest man von Fastenkuren, Heilfasten, Umkehr und Besinnung. Man muss sich in der Fastenzeit entschlacken und fit machen für den bevorstehenden Frühling und den Rest des Jahres! Ich glaube, uns allen schadet insgesamt eine Zeit des Verzichts und der Besinnung  nichts. Was sollten wir in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag anders machen als sonst?

Wir leben in einer Gesellschaft deren herausstechendes Merkmal der Überfluss ist. Egal durch welche Fußgängerzone man geht.  Egal welche Medien man nutzt. Egal wo wir uns umschauen, wir erleben eine Welt in der die massenhafte Befriedigung von Bedürfnissen zum alltäglichen, ultimativen Geschäftszweck geworden ist. Das Perpetuum Mobile von Produktion und Konsum scheint sich immer schneller zu drehen. Angebot erzeugt Nachfrage und Nachfrage erzeugt ein noch größeres Angebot. Den Unternehmen fällt es immer schwerer, die Käufer gerade auf ihr Produkt aufmerksam zu machen und von denen Vorteilen zu überzeugen. So wird auch die Werbung immer lauter und immer schriller.

In dieser schreienden Zeit suchen Menschen die Möglichkeit einer bewussten Auszeit – eines inneren Ausstiegs. Sie verzichten von sich aus auf bestimmte Dinge. Freunde und Bekannte verzichten auf Alkohol, Zucker, Kaffee, Schokolade, Fernsehen usw. Doch der Verzicht alleine macht es noch nicht. Im Gegenzug wollen sie mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr lesen, mehr joggen oder sich anderweitig körperlich betätigen.

Ich glaube, man sollte in der Fastenzeit nicht nur an die körperliche Gesundheit denken, sondern auch seine eigene Situation reflektieren. Hilfreich sind dabei solche Fragen wie: Bin ich noch auf meinem Weg? Habe ich noch meine Ziele vor Augen, oder rennen ich Zielen hinterher, die mir von Anderen vorgegaukelt werden? Wie gehe ich mit mir selbst um?  Wie gehe ich mit den Menschen in meinem Umfeld um?

Neben dem Verzichten steht auch das Sich-Zeit-Nehmen für Ruhe, Familie und Gespräche. Ich glaube, die Fastenzeit kann für uns alle neue Sichtweisen und Erfahrungen bringen und jeder sollte sich einen Abschnitt im Jahresverlauf  als Auszeit nehmen.

Im Fasten erkennt man den wahren Genießer – die wissen, wann es die rechte Zeit für Ruhe und wann es die rechte Zeit für Aktion ist. Für mich ist die Fastenzeit keine Einschränkung, sonder eine Bereicherung, auf die ich mich freue und die ich jedes Jahr bewusst erlebe.

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