Glaubt man den Filmemachern aus Hollywood, Krisenpropheten und mehr oder weniger überzeugenden Zukunftsskeptikern, dann wird 2012 ein sehr unruhiges Jahr. Wirtschaft-, Politik- und Umweltkrisen werden die Welt in Atem halten. Einige Weissager haben auch schon ein ganz genaues Datum für das ausgemacht – das Ende der Welt wird am 21.12.2012 stattfinden.
Zunächst einige kalendarische Fakten über das Jahr: 2012 ist ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Alle die an einem 29. Februar geboren wurden, haben mal wieder die Gelegenheit, genau an diesem Tag ihren Geburtstag zu feiern. Das Jahr hat eine weitere Besonderheit. Statt 12 gibt es 13 Vollmonde – im August wird der Vollmond zwei Mal am Himmel zu sehen sein (am 2. und am 31.8.). Der Baum des Jahres wird die Lärche sein.
Nach dem chinesischen Kalender ist 2012 das Jahr des Drachen. Der Drache steht für Glück, aber auch für Aufbruch. Es soll ein Jahr werden, indem man die Ärmel hoch-krempeln muss. Ein Jahr in dem große Projekte begonnen werden. Aber die chinesischen Kalendermacher kommen nicht umhin, auf mögliche bevorstehende Unruhen, Revolutionen und Naturkatastrophen aufmerksam zu machen.
Es gibt einige drängende Fragen, die auch ohne Naturkatastrophen, Krisen und Revolutionen darüber entscheiden, ob 2012 für uns ein gutes Jahr wird oder nicht.
1. Werden wir alle noch gläserner? Die EU will eine Vorratsdatenspeicherung damit man Verbrechen und Terror besser bekämpfen kann. Viele Menschen sehen das sehr skeptisch – sehen sie doch den Staat als Datenkrake, die alles über ihre Bürger weiß. Doch wie viele Informationen geben wir freiwillig über uns preis, wenn wir auf Facebook etwas posten, twittern oder bloggen. Doch es geht noch viel einfacher. Wie viele persönliche Daten kann man über uns sammeln, wenn wir beim Bezahlvorgang im Supermarkt mit einer Kundenkarte Mini-Rabatte bzw. Glücks-Punkte sammeln. Jede Information für sich mag wenig über uns verraten. Doch deren Verknüpfung macht aus uns heute schon gläsernen Bürger. Einer Volkszählung, Vorratsdatenspeicherung oder dergleichen bedarf es nicht mehr.
2. Wird unser Leben bezahlbar bleiben? Die Inflation ist zu unserem fortwährenden Begleiter geworden. Seit 10 Jahren haben wir den Euro. Die Statistiker sagen, im Verlauf dieser 10 Jahre ist der Wert um 19 Prozent gesunken. Die gefühlte Inflation, d.h. das was jeder Bürger Tag für Tag erlebt, ist wesentlich höher. Besonders die Energiepreise erreichen immer neue Gipfelrekorde. Wer vor 15 Jahren für 3000 Liter Heizöl knapp 900 DM bezahlte, hat in diesem Jahr für nur 1000 Liter 900 Euro hin blättern müssen. Das ist eine Preissteigerung von über 580%. Wohin werden sich die Energiepreise entwickeln? Werden wir zum Ende des Jahres 2012 für einen Liter Diesel 1,70€ oder noch mehr bezahlen müssen. Auch Lebensmittelpreise steigen permanent. Wir haben die Preiserhöhungen bei Butter, Milch, Käse, Getreide und Fleisch im letzten Jahr noch in Erinnerung. Sicher, die Erzeugerpreise sind gestiegen, die Löhne meist viel geringer als die Inflationsrate und deutlich geringer als die Arbeitsproduktivität. Wer verdient also an den Preissteigerungen? Kann das so weiter gehen?
3. Welchen Wert wird unser Geld am Ende des Jahres haben? Was deckt den Wert unseres Geldes? Es ist nicht das Gold in den Tresoren der Zentralbanken. Es sind nicht die in einem Land vorhandenen Wirtschaftsgüter, wie z.B. Gebäude, Fabrikanlagen, Straßen usw. Es sind auch nicht die Steuereinnahmen, die ein Staat im Verlauf eines Jahres macht. Was den Wert des Euros deckt, ist der Glaube der Menschen an seine Stabilität und das Vertrauen in ein funktionierendes Bankensystems. Viele Politiker bestreiten, dass wir eine Euro-Krise haben. Doch bei vielen Menschen schwindet der Glaube an den Euro. Manche legen sich größere Lebensmittel- und Kleidervorräte an, um auch nach einem Währungszusammenbruch eine gesicherte Existenz zu haben. Viele denken über Selbstversorgung bei Lebensmitteln und Strom nach. Gold und Silber werden mehr und mehr gehortet, um private Werte in einen sicheren Hafen zu bringen. Gerüchte über den Druck einer neuen Währung sind im Umlauf – die schon einen Namen hat: DMark2! Auch in den Ratingagenturen sitzen nur Menschen, die offensichtlich den Glauben und das Vertrauen in den Euro ebenfalls mehr und mehr verlieren. Wird es der Politik 2012 gelingen, in der Bevölkerung den Glauben an die Stabilität des Euros wieder zu stärken? Schafft sie es nicht und weitet sich die Krise aus, dann wird es über kurz oder lang zu einem Währungsschnitt kommen.
4. Wird die Politik wieder glaubhafter? Politiker sind auch nur Menschen, sagen die Einen. Politiker sollen das Volk führen und müssen deshalb mit gutem Beispiel voran gehen, sagen die Anderen. Die Glaubwürdigkeit der Politiker insgesamt hat in den letzten Monaten schwer gelitten. Da wurden welche beim Abschreiben ihrer Doktor-arbeit erwischt, andere sind nach einem Unfall einfach davon gefahren, wieder welche hat man beim Lügen ertappt und dritte haben versucht, besonders günstig an Kredite zu kommen. Was kommt noch alles ans Tageslicht? Politiker und damit die ganze Politik heben weiter an Glaubwürdigkeit verloren. Wer selbst die Werte nicht vorlebt, für die er stehen möchte, verliert sehr schnell das Vertrauen der Menschen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich immer weniger Interesse für Politik zeigen. Es verwundert nicht, dass Parteien gewählt werden, deren Programm sich auf einen Punkt reduzieren lässt. Es ist auch nicht verwunderlich, dass die Wahlbeteiligung immer weiter sinkt. Wann ist der Tag gekommen, dass gewählte Minderheiten über ein ganzes Volk regieren?
5. Was passiert in den Krisengebieten der Welt? Wie geht es weiter im Iran, im Irak, in Syrien, am Horn von Afrika (Somalia) und in Afghanistan? Es geht von diesen Ländern im Moment die größte Gefahr für den Frieden und für den Wohlstand der westlichen Welt aus. Hat der Westen dort wirklich Sicherheit und Stabilität hin gebracht? Insbesondere der Irak sollte nach Meinung von Präsident Bush ein „Vorbild für Demokratie in der arabischen Welt“ werden. Davon ist man noch Meilen entfernt. Die US-Truppen sind aus dem Irak abgezogen und im selben Moment beginnt die Gewalt im Land wieder hochzuschlagen. Der Iran lässt die Muskeln spielten und droht eine Hauptschlagader der Öllieferungen zu versperren. Wie wird es in Afghanistan weitergehen, wenn auch dort die internationalen Truppen abziehen? Lässt sich nach Afghanistan, Iran, Syrien, Ägypten usw. überhaupt Demokratie und Stabilität exportieren, wie sich das der Westen vorstellt?
6. Wird die Umwelt immer mehr zum Problem der Menschen? Nach zwei sehr kalten und schneereichen Wintern erleben wir derzeit einen verregneten Herbst. Erst klagten viele über den ausbleibenden Regen und jetzt sehen manche die Flusspegel bedrohlich ansteigen. Tragen wir nicht selber dazu bei, dass lokale Naturkatastrophen immer wieder Menschenleben kosten und Sachwerte zerstören? Jeder kennt die Beispiele, wo man Flüsse begradigt oder in Überflutungsgebieten Häuser gebaut hat. Globale Erwärmung ist ein großes Thema. Doch der Globus fängt vor meiner Haustür an. Es geht um Umweltsünden auf lokaler Ebene. Es geht um achtlos in die Natur geworfenen Müll. Um elektronische Geräte, die permanent im Stand-by-Betrieb laufen. Es geht um PKWs, die während einer Wartezeit einfach laufen gelassen oder für Ministrecken genutzt werden. Es geht um spritschluckende Geländewagen, die nur im Stadtverkehr fahren. Und es geht um die kleinen Nachlässigkeiten bei der Mülltrennung. Jeder von uns kann hier aktiv mithelfen, mit der Natur schonender umzugehen. Wer nicht im Kleinen die Umweltsünden in den Griff bekommt, braucht sich an globale Themen nicht heran zu wagen.
2012 wird herausfordernd, anspruchsvoll und schnelllebig. Was im Detail passieren wird, weiß niemand genau und dass ist auch gut so. Diese Ungewissheit macht das Leben spannend, aber auch erträglich. Weil keiner genau weiß, was passieren wird, bleibt uns so manche hausgemachte Katastrophe erspart.
Wie 2012 wird, hängt auch von jedem von uns ab. Summa summarum betrachtet, werden die Filmemacher, Krisenpropheten und Zukunftsskeptiker mit ihren Vorhersagen, wie schon so oft in der Vergangenheit, daneben liegen. Es kann ein gutes Jahr werden, wenn es der Gesellschaft gelingt, drängende Fragen richtig anzugehen. Weltuntergangsszenarien lenken dabei nur von den wahren Problemen ab.